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Witte Financial Services

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News

Dezember 2016

21.12.2016:
Risiko & Vorsorge 3.2016 erscheint. Unter Publikationen zum Download

21.12.2016:
Pflegeratings aktualisiert

April 2015

16.04.2015:
Die neue "Risiko & Vorsorge" erscheint erstmals mit "Produkte & Kritik"

Stephan Witte
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Alter schützt vor Torheit nicht
 
Das Oberlandesgericht Schleswig (OLG) hat mit Urteil vom 9. Oktober 2008 entschieden (Az.: 16 U 39/07), dass ein Gebäudeversicherer wegen grober Fahrlässigkeit nicht leisten muss, wenn ein unerfahrener Laie bei der Abdichtung eines Dachs einen Gasbrenner benutzt, dessen Bedienungsanleitung er sich nicht durchgelesen hat.
Zur Abdichtung seines bei dem Beklagten versicherten Flachdach-Gebäudes hatte sich der Kläger für die Erhitzung der dazu nötigen Bitumenbahnen in einem Baumarkt einen 88 cm langen Gasbrenner gekauft. Ohne die Betriebsanleitung für den Brenner gelesen zu haben, erhitzte der im Umgang mit Gasbrennern gänzlich unerfahrene Senior die Bahnen, bis er kurz darauf Brandgeruch bemerkte. An ein Löschen des Feuers war zu diesem Zeitpunkt nicht mehr zu denken, denn es hatte sich in Windeseile in den unter dem Dachstuhl gelegenen Wohnräumen der Tochter des Klägers ausgebreitet. Das Gebäude brannte bei dem Zwischenfall weitgehend ab. Dadurch entstand ein Schaden von mehreren 100.000 Euro.
Der Gebäudeversicherer berief sich auf grob fahrlässiges Handeln des Versicherten, da dieser es nicht nur versäumt hatte, sich die Betriebsanleitung für den Brenner durchzulesen, sondern auch keine ausreichende Vorsichtsmaßnahmen für den Brandfall in den unter dem Dach gelegenen Räumen getroffen hatte.
Dagegen war der Kläger der Meinung, alles richtig gemacht zu haben. Er hatte nämlich eine große Wanne voll Wasser sowie einen Feuerlöscher auf das Flachdach gebracht. Damit, dass unter dem Dach ein Feuer ausbrechen würde, musste er seiner Meinung nach nicht rechnen und daher auch keine entsprechenden Vorsichtsmaßnahmen ergreifen. Zudem wäre das Feuer seiner Meinung nach auch dann ausgebrochen, wenn er sich die Betriebsanleitung des Brenners durchgelesen hätte.
Die OLG-Richter sahen das anders und wiesen die Klage gegen die Versicherung als unbegründet zurück.
Das Gericht folgte der Ansicht des Versicherers, dass der Brand die Folge grober Fahrlässigkeit war. Grob fahrlässig handelt derjenige, der die im Verkehr erforderliche Sorgfalt in besonders schwerem Maße verletzt, schon einfachste, ganz nahe liegende Überlegungen nicht anstellt und das nicht beachtet, was im gegebenen Fall einleuchten musste. Dem Kläger musste sich aufdrängen, dass er brennbares Material, wie z.B. Holzlatten der ihm bekannten Dachkonstruktion, vor Arbeitsbeginn hätte abdecken müssen.
Wegen seiner gänzlichen Unerfahrenheit mit Gasbrennern hätte er sich außerdem vor Beginn der Arbeiten die Betriebsanleitung durchlesen müssen. Auch wenn letztlich nicht eindeutig geklärt werden konnte, ob der Brand durch eine Entzündung der Dachkonstruktion oder der Bitumenschicht entstand, stellt die Entflammung des Materials nach OLG-Meinung einen krassen Fehler dar, der als grob fahrlässig anzusehen ist.
Die Richter begründeten, im einen wie im anderen Fall hat der Kläger gleichsam ein‚ learning by doing’ praktiziert, das angesichts des Gefahrenpotenzials des Gasbrenners und der auf dem Spiel stehenden Werte nur als grob unvorsichtig und nachgerade unerklärlich bezeichnet werden kann.
Die Entschuldigung des zum Zeitpunkt des Brandes 67-jährigen Klägers, dass er altersbedingt nicht in der Lage gewesen sei, die Gefährlichkeit seines Handelns zu überblicken, konnte das Gericht ebenfalls nicht überzeugen und wies die Klage daher als unbegründet zurück. Eine Revision gegen die Entscheidung ließen die Richter nicht zu.
Der Fall ereignete sich vor der VVG-Reform. Wegen der Leichtfertigkeit des Versicherten ist zu vermuten, dass er auch unter Berücksichtigung der im neuen VVG geänderten Bestimmungen zur groben Fahrlässigkeit allenfalls nur eine anteilig sehr geringe Entschädigung durch Versicherung erhalten hätte.