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Witte Financial Services

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News

Dezember 2016

21.12.2016:
Risiko & Vorsorge 3.2016 erscheint. Unter Publikationen zum Download

21.12.2016:
Pflegeratings aktualisiert

April 2015

16.04.2015:
Die neue "Risiko & Vorsorge" erscheint erstmals mit "Produkte & Kritik"

Stephan Witte
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Arztpraxis unter Wasser
 
Das Oberlandesgericht Saarbrücken hat mit Urteil vom 20. August 2008 entschieden (Az.: 5 U 163/05 - 13), dass ein auf Ersatz eines Betriebsunterbrechungsschadens einer Arztpraxis in Anspruch genommener Versicherer nicht mit Erfolg einwenden kann, ein Ausfallschaden könne durch eine Verlegung oder Nachholung von Behandlungsterminen ausgeglichen werden.
Wegen eines Leitungswasserschadens musste ein Orthopäde seine Praxis für fünf Tage schließen. Ein von dem Sachversicherer des Arztes beauftragter Gutachter war der Meinung, dass der Mediziner die ausgefallenen Behandlungen im Laufe des Jahres hätte nachholen können. Der Versicherer lehnte es daher ab, dem Orthopäden Leistungen aus seiner Betriebsunterbrechungsversicherung zu gewähren.
Der Arzt hielt diese Argumentation für unrichtig, da seine Praxis voll ausgelastet und ein Nachholen von Terminen unmöglich sei. Außerdem behandele er nicht nur Stamm-, sondern auch Akut- und Neupatienten. Die aber seien ihm während der schadenbedingten Schließung seiner Praxis verloren gegangen.
Daher verklagte er den Versicherer erfolgreich. Die Richter sprachen ihm eine Entschädigung von fast 9.000,- Euro zu. Wegen der nachgewiesenen Auslastung der Praxis war es dem Kläger nach Überzeugung des Gerichts weder zumutbar noch möglich, Termine nachzuholen. Weil sich vor Ort ein weiterer frei praktizierender Orthopäde befand, gingen die Richter davon aus, dass dem Kläger während der Schließung seiner Praxis auf jeden Fall Akut- und Neupatienten verloren gegangen sind.
Bei akuten Beschwerden kann nicht unterstellt werden, dass ein Patient bis zur Wiedereröffnung einer Praxis warten und auf einen Besuch bei der Konkurrenz verzichten wird. Das gilt nach Überzeugung des Gerichts auch für neue Patienten, denen es noch an einer Bindung beziehungsweise an einem Vertrauensverhältnis zu der Praxis des Klägers fehlt. Daher ist auch bei diesen zu erwarten, dass sie bei einer Alternative vor Ort einen anderen Arzt aufsuchen werden.
Bei Stammpatienten ist die Situation anders. Befinden sie sich in einer langfristigen Behandlung, so muss bei diesen nicht damit gerechnet werden, dass sie ohne akute Beschwerden den Arzt wechseln. Die Praxis des Klägers war nachweislich ausgelastet, so dass nach Ansicht des Gerichts auch bei dieser Patientengruppe nicht von einer Kompensation des Betriebsunterbrechungsschadens durch ein Nachholen der Termine ausgegangen werden kann.
Deswegen wurde der beklagte Versicherer dazu verurteilt, dem Kläger eine Entschädigung auf Basis der von ihm nachgewiesenen Umsätze zu zahlen. Der Kläger muss sich lediglich die während der Praxisschließung eingesparten Kosten anrechnen lassen.